Zur Person
Angelika Beer – die Politikerin
Angelika Beer, Co Vorsitzende des parlamentarischen Netzwerkes für Konfliktprävention und Menschliche Sicherheit
des Ost West Instituts (EWI). Link: EWI
Sie war grüne Expertin für Sicherheits- und Verteidigungspolitik, ist den meisten aus ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete und später als Bundesvorsitzende der Grünen von 2002 bis 2004 bekannt. Seit Juli 2004 saß die gebürtige Kielerin als Abgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Europaparlament. Im März 2009 ist sie aus der Partei ausgetreten.
Seitdem engagiert sie sich als Außen- und Sicherheitspolitische Expertin weiter in Seminaren und Veranstaltungen.
Im November 2009 hat sie sich entschieden, in die Piratenpartei einzutreten.
Natürlich gibt es auch ein Privatleben – und seit dem Ausscheiden aus dem Europaparlament endlich auch wieder genug Zeit, regelmäßig mit Bergwacht zu arbeiten.

Angefangen hat ihre politische Laufbahn mit dem üblichen Engagement einer eher linksorientierten jungen Frau während der 70er Jahre: Bürgerinitiativen, Friedensbewegung, Protest gegen Atomkraftwerke. Beer war zunächst im Kommunistischen Bund aktiv, danach gründete sie die Liste für Demokratie und Menschenrechte in Schleswig-Holstein mit, bevor sie zusammen mit anderen Mitstreitern 1979 die Grünen aus der Taufe hob. Mit 30 Jahren wurde Angelika Beer 1987 für die Grünen in den Bundestag gewählt – sie war die zweitjüngste Abgeordnete überhaupt.
Als die Grünen drei Jahre später an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten, suchte sich Beer eine Arbeit im humanitären Bereich. Sie koordinierte für “medico international” die internationale Kampagne zur Ächtung von Landminen. In Deutschland war sie federführend für die Kampagne zuständig. Gleichzeitig war sie Mitglied im grünen Bundesvorstand.
1994 schafften es BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wieder in den Bundestag – und mit ihnen kehrte Beer als Abgeordnete nach Bonn zurück. Bis 2002 blieb sie Bundestagsabgeordnete. In dieser Zeit wurde sie verteidigungspolitische Sprecherin der Fraktion. Angesichts der sich verändernden Sicherheitslage nach dem Kalten Krieg und dem Ausbrechen ethnischer Konflikte mitten in Europa gestaltete sie auch den Wandel von der anti-militaristischen Position von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hin zu einer Politik, die auch militärische Mittel zum Schutz vor massiven Menschenrechtsverletzungen gewährleisten sollte. Dabei machte Angelika Beer immer wieder deutlich, dass zivile Krisenprävention und Konfliktlösung im Vordergrund stehen müssen und ihre Instrumente weiter ausgebaut werden müssen. Als im Jahr 2002 eine Abstimmung über die Trennung von Amt und Mandat auf dem Grünen-Parteitag zur Folge hatte, dass die Vorsitzenden Claudia Roth und Fritz Kuhn ihre Sessel räumen mussten, standen die Grünen plötzlich ohne Führungsduo da. Angelika Beer sprang in die Bresche und kandidierte für das Amt der Bundesvorsitzenden. Eigentlich wollte Beer nur als Beisitzerin im Bundesvorstand kandidieren, um sich dann in Richtung Europa zu orientieren. Doch, wie sie selbst sagt: “Wenn Not an der Frau ist, kann ich nicht wegsehen”. Gemeinsam mit Reinhard Bütikofer stellte sie zwei Jahre lang die Doppelspitze ihrer Partei. Das erste Jahr als Parteichefin war vor allem durch den Kampf gegen den Irakkrieg geprägt. Darüber hinaus hat sie sich in der Zeit vor allem für eine Überführung der Bundeswehr in eine Berufsarmee eingesetzt, für eine humanitäre Ausgestaltung des Zuwanderungsgesetzes gekämpft und immer wieder an den humanitären Anspruch von Auslandseinsätzen erinnert.
Auf der Bundesdelegiertenkonferenz im Dezember 2003 in Dresden wählten die Grünen sie auf einen aussichtsreichen Listenplatz – und Angelika Beer zog im Juli 2004 als Europa-Parlamentarierin nach Brüssel ein. Hier war sie Mitglied im Auswärtigen Ausschuss sowie im Unterausschuss für Sicherheits- und Verteidigungspolitik und leitete die Iran-Delegation des EPs. Zudem war sie Koordinatorin und Sprecherin für Außenpolitik und Sicherheitspolitik der GRÜNEN/EFA. Europa, so ihr Motto, ist “unheimlich faszinierend”.
Tabellarischer Lebenslauf
24.5.1957 Geburt in Kiel
Ausbildung zur Arzthelferin und zur Rechtsanwalts- und Notarsgehilfin
Engagement in Bürgerinitiativen, in der Anti-AKW- und der Friedensbewegung
1979 Gründungsmitglied der Liste für Demokratie und Umweltschutz, Schleswig-Holstein
1980 Gründungsmitglied der GRÜNEN und bis März 2009 Mitglied im Kreisverband Neumünster
1987-1990 Mitglied des Deutschen Bundestages, Mitglied in der parlamentarischen Versammlung der Nato und des Europarates
1990-94 Referentin für Menschenrechtsfragen, Koordinatorin der internationalen Kampagne zur Ächtung von Landminen/medico international
1991-94 Mitglied des Bundesvorstandes von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
1994-1998 Vorsitzende der Deutsch-Skandinavischen Parlamentariergruppe der 13. Wahlperiode des Deutschen Bundestages
1994-2002 Mitglied des Deutschen Bundestages, verteidigungspolitische Sprecherin und Obfrau von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Verteidigungsausschuss und im Unterausschuss für Rüstungskontrolle und Abrüstung und Nonproliferation, Mitglied im Auswärtigen Ausschuß und im Ausschuß für Europaangelegenheiten, Mitglied in der Nordatlantischen Versammlung, Stv. Vorsitzende der Deutsch-Skandinavischen Parlamentariergruppe und Mitglied in der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe
2002-2004 Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Von 2004 bis 2009 Mitglied des Europäischen Parlaments
Mitglied des Auswärtigen Ausschusses sowie des Unterausschusses für Sicherheits- und Verteidigungspolitik
Co-Koordinatorin für Außenpolitik und Sicherheitspolitische Sprecherin der GRÜNEN/EFA
Vorsitzende der Iran-Delegation des EP, Mitglied der Parlamentarischen Versammlung der Nato, stv. Mitglied des Europausschusses des Deutschen Bundestages, stv. Mitglied der Mazedonien-Delegation des EP.
Sonstiges:
• Gründerin des Vereins für Toleranz und Zivilcourage e.V. Neumünster und Vorsitzende bis 2007, in dem sie auch heute noch mitarbeitet
• Mitglied im Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit
• Mitglied im Beirat des Komitees für eine Demokratische UNO (KDUN)
• Mitglied der Europa-Union
• Ko-Vorsitzende des Parlamentarischen Netzwerkes für Nukleare Abrüstung