Aug 10 2014

SH-Wochenblatt vom 12.09.2030: Umweltminister eröffnet Jagdsaison

„Visionen der Jagd 2030“: Bei der diesjährigen Eröffnung der Jagdsaison richteten sowohl Umweltminister Rolf Habicht als auch der Vorsitzende des Jagdverbandes, Martin Hörner, ihren Blick auf die Vergangenheit. Die gemeinsame Rückschau machte deutlich, wie sich die Jagd in den vergangenen 15 Jahren verändert hat, und welche Erfolge dabei erzielt werden konnten.

 

Aus dem Schleswig-Holsteinischen Wochenblatt vom 12.9.2030:

Umweltminister Habicht eröffnet die Jagdsaison 2030

 

Die Jagdsaison wurde von Umweltminister Rolf Habicht mit einer Dankesrede an die Jägerschaft eröffnet. Der Minister hob zunächst lobend hervor, dass die Bemühungen der vergangen fünfzehn Jahre zu einer deutlich intensiveren Zusammenarbeit der Jäger mit Naturschützern, Landbesitzern und Forstleuten geführt hätten. Durch den von der Jägerschaft selbst initiierten kulturellen Wandel wären einerseits bewährte Traditionen bewahrt worden, andererseits sei es ebenso gelungen, überholte Vorstellungen zu hinterfragen und zu reformieren. Als Beispiel hierfür nannte Habicht die Trophäe, die lange als wichtiges Motiv für die Jagdausübung aufgefasst worden sei. Diese Vorstellung, die wenig mit dem Artenschutz und dem Ziel einer intakten Natur zu tun habe, wäre heute – insbesondere unter den jungen Jägern – weitgehend verpönt.

Das Gewehr gehöre zwar nach wie vor zum Grundwerkzeug, weitaus häufiger aber nähme der Jäger inzwischen das Smart Phone zur Hand, um seine Beobachtungen genau zu dokumentieren. Damit seien Jäger heute in erster Linie auch Biologen. Die von den Jägern zusammengetragenen Daten würden einen nie zuvor gekannten Einblick in die ökologischen Zusammenhänge ermöglichen. Zu keinem Zeitpunkt wären die Wechselwirkungen zwischen Biotop und Wildbestand, das Verhältnis von Prädatoren und deren Beute und der Einfluss des Jägers so gut verstanden worden. Insbesondere das Wolfsmanagement, so der Minister, sei ohne das Mitwirken der Jägerschaft kaum mehr vorstellbar.

Wo immer Viehhalter Probleme mit den beiden, inzwischen fest zu Schleswig-Holstein gehörenden Wolfsrudeln meldeten, würde der Jagdverband mit Rat und Tat zu Seite stehen. So könnten Konflikte vermieden werden, ehe es zu größeren Schäden käme. Das Ministerium registriere mit großer Freude, dass die an Viehhalter geleisteten Ausgleichszahlungen einen kontinuierlichen Abwärtstrend aufweisen würden, was angesichts der noch immer leicht anwachsenden Wolfspopulation nicht erwartbar gewesen sei.

Der Vorsitzende des Jagdverbandes, Martin Hörner, dankte dem Minister anschließend für die freundlichen Worte. Der Jagdverband stelle zufrieden fest, dass die Anstrengungen der Jäger von Politik und Öffentlichkeit zunehmend registriert und anerkannt würden. Dass die Jägerschaft Verantwortung für die einheimischen Wölfe übernommen habe, sei ja auch nicht immer selbstverständlich gewesen. In der Tat habe man den Wolf lange Zeit zuallererst als Konkurrenten betrachtet, der das Wild argwöhnisch machen und aus seinen angestammten Gebieten vertreiben würde.

Mit der Forderung, Wölfe erlegen zu dürfen, habe sich die Jägerschaft keinen Gefallen getan. Im Jahr 2021 sei der Protest der Naturschützer und Wolfsfreunde derart ausgeprägt gewesen, dass den Jägern nichts anderes übrig geblieben war, als ihre Befürchtungen mit belastbaren Zahlen zu hinterlegen. Damals, erinnerte sich Hörner, sei man dazu übergegangen den Wolf genau zu beobachten, Spuren zu sichern und zu erfassen. So verblüffend seien die Ergebnisse gewesen, dass man genug Anlass sah, das eigene Bild vom Wolf neu zu entwerfen. Inzwischen würde der Wolf als Partner begriffen, der Marderhund, Waschbär und Fuchs im Zaume halte. Wolf und Jäger seien schon vor tausenden von Jahren Partner gewesen, und sie wären es heute wieder. Die Jägerschaft habe letztlich also eine uralte Tradition neu belebt.

Für die inzwischen enge Zusammenarbeit der Jäger mit dem Naturschutz, den Grundbesitzern sowie den Land- und Forstwirten gebe es allerdings eine Reihe weiterer Gründe. So habe die im Jahre 2014 geschaffene Möglichkeit auf privatem Grund ein Bejagungsverbot durchzusetzen dazu geführt, dass sich alle Parteien gemeinsam an einen Tisch setzten mussten. Aufgrund zunächst unvereinbar erscheinender Interessen sei das nicht immer einfach gewesen. Alle haben damals viel voneinander lernen müssen.

Rückblickend betrachtet sei der Dialog jedoch ein Erfolg. Naturschützer und Jäger habe insbesondere der Wunsch nach geschützten Naturräumen geeint. Steigende Bodenpreise, der Anbau von Energiepflanzen, und die sich intensivierende Nutzung der Wälder hätten zu der Einsicht geführt, dass alle, die Wald und Feldmark als artenreichen Lebensraum erhalten wollen, gemeinsam an einem Strang ziehen müssen. Auch das damals dringliche Problem verwilderter Hauskatzen sei man – zumal die damalige Landesregierung das Problem zu verschlafen schien – gemeinsam angegangen.

Als positiv bewertete Hörner die Maßnahmen zum Verbot bleihaltiger Munition, das ursprünglich bereits 2013 durchgesetzt werden sollte. Im Landtag habe man glücklicherweise rechtzeitig erkannt, dass die bleifreie Munition seinerzeit technisch noch nicht ausgereift war. Das Verbot war daher erst im Jahre 2019 erlassen worden.

Am Ende seiner Rede angelangt, kam Hörner allerdings nicht umhin, doch noch auf ein derzeit heiß diskutiertes Eisen zu sprechen zu kommen und Minister Habicht zum Handeln aufzufordern. Die Wiederansiedlung des Wisents in Schleswig-Holstein, so der Vorsitzende, sei zwar eine romantische Vorstellung, angesichts der aktuellen Umstände allerdings „vollständig unrealistisch“. Er verstehe zwar das Interesse der Touristikbranche, in Schleswig-Holstein Safari-Touren anbieten zu können, sehe aber nicht, dass dies derzeit artgerecht möglich sei. Der mächtige Wisent sei von der Inzucht schwer gebeutelt.

Aus diesem Grunde wäre es nicht zu verantworten, die Art anzusiedeln, ehe die von der EU vorgesehenen, europaweiten Grünbandkorridore tatsächlich Gestalt annehmen würden. Denn nur so wäre ein regelmäßiger Blutaustausch zu gewährleisten. An Minister Habicht appellierte er in diesem Zusammenhang, für die versprochenen Grünbrücken in Schleswig-Holstein endlich eine Finanzierung vorzulegen. Denn wer schon den Ansprüchen des Rotwildes nicht gerecht werden könne, so Hörner, der brauche an den Wisent gar nicht erst zu denken.

 

Aus: Jäger in Schleswig-Holstein, Heft 07/08 2014, „VISION 2030: Jagd in Schleswig-Holstein“, Beitrag von Angelika Beer (MdL), jagdpolitische Sprecherin der Piratenfraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag.


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